Einführung

Einführung Das Erzbistum Paderborn und seine Finanzen

408 Mio. Euro hat das Erzbistum Paderborn im Jahr 2014 für die kirchliche Arbeit aufgewendet – als Zuwendungen für die Pfarrgemeinden, als Zuschüsse für die Caritas und andere sozial tätige Organisationen, für übergreifende seelsorgerische Aufgaben in der Erzdiözese und in der Weltkirche, für den Betrieb und den Ausbau von Schulen und Kindertagesstätten sowie für vieles Weitere. Den überwiegenden Teil der verfügbaren Mittel stellen die Kirchenmitglieder mit ihren Beiträgen über die Kirchensteuer bereit. Umso mehr ist das Erzbistum Paderborn einer vorausschauenden und umsichtigen Finanzplanung verpflichtet, um das ihm anvertraute Geld sinnvoll einzusetzen.

Die Finanzplanung richtet sich nach den pastoralen Zielen und wendet kaufmännische Grundsätze an, denen auch der vorliegende Finanzbericht folgt. Gleichwohl ist die Kirche kein Unternehmen. Deshalb legt der Bericht auch die Besonderheiten dar, die es bei der Bewertung kirchlicher Finanzen zu beachten gilt.

Was erfährt man im Finanzbericht 2014?

Der Finanzbericht gibt ausführlich und detailliert Auskunft über die Finanzmittel des Erzbistums Paderborn. Er zeigt, woher das Geld kommt und wofür es verwendet wird. Der Bericht legt außerdem den kompletten Umfang des Vermögens offen und erklärt, worin dieses Vermögen besteht und an welchen Zweck es gebunden ist. Der vollständige Jahresabschluss mit Bilanz und Ergebnisrechnung folgt dabei strikt den Anforderungen, die das Handelsgesetzbuch für große Kapitalgesellschaften vorsieht. Ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer hat den Jahresabschluss geprüft und den uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erteilt.

Wo ist das Vermögen der anderen kirchlichen Organisationen dokumentiert? Gibt es eine umfassende Übersicht?

Eine solche Übersicht gibt es nicht. Sie hätte auch keinen Sinn, denn sie würde dem Wesen der Kirche nicht gerecht. Die Kirche ist eine über Jahrhunderte gewachsene Gemeinschaft von Gläubigen. Sie besteht aus einer Vielzahl von eigenständigen Körperschaften, die eigene Jahresabschlüsse erstellen. Allein im Erzbistum Paderborn besteht die Kirche aus mehr als 1.000 selbstständigen Rechtsträgern. Die mehr als 700 Kirchengemeinden, die Orden, die katholischen Vereine sowie die sozialen Einrichtungen wie Krankenhäuser und Altenheime verfügen über eigene Finanzmittel und Vermögenswerte, die sie eigenständig verwalten und über deren Verwendung sie selbstständig bestimmen.

Der Erzbischöfliche Stuhl ist auch eine kirchliche Einrichtung im Erzbistum Paderborn. Warum wird sein Vermögen nicht berücksichtigt?

Der Erzbischöfliche Stuhl ist ein selbstständiger Rechtsträger mit eigenem Vermögen und eigener Finanzverwaltung. Deshalb sind seine Finanzen kein Gegenstand dieses Finanzberichts und können es auch nicht sein. Der Erzbischöfliche Stuhl erhält und verwaltet weder Kirchensteuermittel noch staatliche Zuschüsse.

Wer entscheidet über den Einsatz der Finanzmittel, und wer kontrolliert deren Verwaltung?

Das wichtigste Gremium in Finanzfragen ist der Kirchensteuerrat des Erzbistums Paderborn. Er berät über die Festsetzung des Kirchensteuerhebesatzes und den Haushaltsplan des Erzbistums. Der Kirchensteuerrat besteht aus 22 Mitgliedern. Zwei Drittel davon sind gewählte Vertreter aus den Kirchenvorständen der Kirchengemeinden, in der Regel Fachleute aus Wirtschaft, Steuer- und Finanzwesen und der kommunalen Verwaltung. Im Kirchensteuerrat werden unter anderem die Rahmenbedingungen für die Finanzierung der Kirchengemeinden beraten. Thema ist auch die Finanzierung von aktuellen Projekten wie beispielsweise die Bereitstellung von Hilfsmitteln für Flüchtlinge und pastorale Projekte.

Braucht das Erzbistum Paderborn materielles Vermögen?

Im Erzbistum Paderborn gibt es 707 Kirchengemeinden mit über 1.200 Kirchen und Kapellen, 800 Pfarrheimen, 496 Kindertagesstätten und 29 Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Diese Einrichtungen sowie die mehr als hundert Beratungsstellen der Caritas und anderer kirchlicher Träger sowie die 19 Schulen und Berufskollegs übernehmen Aufgaben, die weit in die Gesellschaft außerhalb des kirchlichen Raumes hineinwirken. Zur Erfüllung dieser Aufgaben wendet die Kirche erhebliche Mittel auf, die die Gläubigen durch ihre Beiträge über die Kirchensteuer bereitstellen. Jeden Tag fließt rund 1 Mio. Euro in die Feier des Gottesdienstes, in die Seelsorge, in Bildung und Erziehung sowie in Caritas und Mission. Dazu gehört auch die Verpflichtung gegenüber mehr als 3.000 kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Könnte das Erzbistum Paderborn auch ohne die Kirchensteuer arbeiten?

Erst die Beiträge der Gläubigen machen die Erfüllung der kirchlichen Aufgaben im heutigen Umfang möglich. Der Haushalt des Erzbistums Paderborn wird zu rund 75 Prozent aus Kirchensteuerbeiträgen bestritten. Der derzeitige Umfang der Kirchensteuereinnahmen ist vor allem das Ergebnis der günstigen Wirtschaftslage. Dieser Effekt darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Einnahmen aus der Kirchensteuer in Zukunft stark zurückgehen werden. Damit muss das Erzbistum schon heute planen. Das in der Bilanz ausgewiesene Vermögen ist im Übrigen kein „eigenes Geld“. Es sind vielmehr die dem Erzbistum anvertrauten Mittel. Sie unterstützen die tägliche Seelsorgearbeit und sichern Verpflichtungen ab, zum Beispiel für die Altersversorgung der Geistlichen. Diese Verantwortung wird die Kirche auch in Zukunft wahrnehmen. Und sie wird auch künftig in den Feldern wirken, wo der Glaube die Aufgaben vorgibt.

Sollte die Kirche ihr Vermögen nicht stärker für aktuelle Not einsetzen?

Das tut sie. Und sie kann es umso besser, als ihre Struktur auf solches Handeln ausgerichtet ist. Die Caritas gehört zu den Säulen des Glaubens. Das Erzbistum Paderborn gibt jährlich rund 55 Mio. Euro für soziale Projekte vor Ort und in der Welt aus – durch Zuschüsse zu Einrichtungen und Projekten der Caritas und anderer Träger. Um Not zu lindern, braucht man materielle Mittel – heute und in Zukunft. Und man braucht die Zuwendung und das Engagement von Menschen. Es ist deshalb eine wichtige Aufgabe des Erzbistums, die Menschen bei ihrem Einsatz zu unterstützen.

Warum betreibt die Kirche eigentlich Schulen?

Die Kirche übernimmt viele gesellschaftliche Aufgaben. Dazu gehören seit jeher auch Bildung und Erziehung. Die katholischen Schulen des Erzbistums Paderborn haben großen Zulauf. Ihr besonderes Profil stößt auf einen hohen Bedarf. Der Staat trägt indes keineswegs die vollständigen Kosten. Das Erzbistum Paderborn trägt einen hohen Anteil. Für die katholischen Schulen wendet das Erzbistum Paderborn jährlich rund 13 Mio. Euro auf und wird in den kommenden Jahren rund 51 Mio. Euro investieren. Ausführliche Informationen und detaillierte Kennzahlen finden in unserem Schwerpunktthema Schule.