Ertrags- und Vermögenslage

Das im Jahr 799 errichtete Erzbistum Paderborn umfasst ein Gebiet von rund 15.000 Quadratkilometern in Nordrhein-Westfalen sowie in Teilen von Hessen und Niedersachsen. Es erstreckt sich vom Kreis Minden im Norden bis ins südliche Siegerland, vom Hochsauerland bis ins östliche Ruhrgebiet. Von den etwa 4,8 Millionen Einwohnern sind rund 1,6 Millionen Katholikinnen und Katholiken. Sie leben in 707 Kirchengemeinden, die sich in 143 Pastoralverbünde gliedern. Damit ist das Erzbistum Paderborn nach Mitgliedern das sechstgrößte deutsche Bistum. Es engagiert sich seelsorgerisch und sozial in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Angefangen von der Krankenhausseelsorge über Polizei- und Gefängnisseelsorge, Schulen und Weiterbildungseinrichtungen, Kunst, Kultur und natürlich Caritas.

Der Rückgang der Katholikenzahlen setzte sich mit einem Minus von rund 1 Prozent auch im Jahr 2014 fort. Ursache sind vor allem demografische Effekte. Neben Wanderungsbewegungen in große Metropolen verzeichnet das Erzbistum Paderborn, wie Deutschland insgesamt, seit Jahren eine

sinkende Zahl von Geburten und Taufen, die deutlich unter der Zahl der Sterbefälle liegt. Hinzu kommt die gestiegene Zahl von 10.471 Kirchenaustritten im Jahr 2014.

Das Erzbistum rechnet damit, dass die Zahl der Katholiken in Zukunft weiter abnimmt. Gleichzeitig sinkt die Zahl der aktiven Priester. Dies erfordert eine Neuorganisation der pastoralen Arbeit in größeren Einheiten.

Vor einigen Jahren hat das Erzbistum einen intensiven Diskussions- und Entwicklungsprozess angestoßen und begleitet. Das Ergebnis ist das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn, das Erzbischof Hans-Josef Becker 2014 in Kraft gesetzt hat. Es bildet den inhaltlichen Rahmen für die Entwicklung des Erzbistums in den nächsten Jahren. Die im Zukunftsbild beschriebenen pastoralen Prioritäten sind wesentliche Maßgabe für die Finanzplanung des Erzbistums.

Erträge für die Erfüllung der Aufgaben

Die von den Kirchenmitgliedern aufgebrachten Kirchensteuern stellen mit rund 75 Prozent der Erträge die wichtigste Ertragsquelle zur Sicherung der laufenden pastoralen und caritativen Arbeit dar. Rund 11 Prozent der Erträge sind Zuschüsse der öffentlichen Hand, rund 8 Prozent stammen aus dem Finanzergebnis, 6 Prozent aus sonstigen Erträgen. Damit kann das Erzbistum Paderborn weitgehend unabhängig seine Aufgaben erfüllen und Finanzierungskosten vermeiden. Die stabile Finanzierungssituation stellt zudem sicher, dass die umfangreichen Leistungen der katholischen Kirche im Gebiet des Erzbistums und darüber hinaus auch nachhaltig erfüllt werden können.

Die Entwicklung der Kirchensteuereinnahmen hängt in erster Linie von der Zahl der kirchensteuerpflichtigen Katholikinnen und Katholiken im Erzbistum sowie von der Konjunkturentwicklung ab. Aufgrund der guten Wirtschaftslage im Jahr 2014 stiegen die Kirchensteuererträge um rund 3,4 Prozent auf rund 376 Mio. Euro an.

Die Erträge aus öffentlichen Zuschüssen belaufen sich relativ stabil auf rund 52 Mio. Euro jährlich. Davon entfallen rund 45 Mio. Euro, auf den Betrieb von Schulen und Weiterbildungseinrichtungen.

Die Erträge aus Kapitalanlagen beliefen sich im Jahr 2014 auf rund 57 Mio. Euro. Daraus leistet das Erzbistum Aufwendungen für die Dotierung der Rückstellungen im Rahmen der bilanzrechtlich vorgeschriebenen Aufzinsung der Altersversorgungsverpflichtungen. Insgesamt ergibt sich ein Finanzergebnis von rund 42 Mio. Euro.

Die Kirchensteuer sichert die pastorale und caritative Arbeit.

Nahezu alle verfügbaren Erträge des Erzbistums fließen in die laufende Arbeit der Kirche im seelsorgerischen und caritativen Bereich sowie in Bildung, Kultur und Weltkirche. Dabei werden die Leistungen so geplant, dass strukturelle Unterdeckungen der Aufwendungen möglichst vermieden werden. Aus der vorsichtigen Planung resultierende Überschüsse werden insbesondere an die Kirchengemeinden, Kindertagesstätten und die Caritas ausgeschüttet.

Die Aufwendungen des Erzbistums Paderborn betrugen im Jahr 2014 rund 408 Mio. Euro. Der größte Teil davon sind die Zuschüsse an Kirchengemeinden, Caritas, Kindertagesstätten und andere Einrichtungen. Sie refinanzieren vor allem Personalkosten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die seelsorgerische oder diakonische Arbeit leisten. Ein weiterer wesentlicher Teil sind Investitionszuschüsse für Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen dieser Einrichtungen.

Die direkten Personalkosten des Erzbistums gehören zu den größten Aufwandspositionen. Einschließlich Sozialabgaben und Altersversorgung beliefen sie sich im Jahr 2014 auf 159 Mio. Euro.

Mit durchschnittlich 3.170 Beschäftigten (2013: 3.176) war die Mitarbeiterzahl nahezu stabil.

Der dritte wesentliche Aufwandsposten sind die sonstigen Aufwendungen in Höhe von 58 Mio. Euro, zu denen insbesondere die Gebäudebewirtschaftung (rund 7 Mio. Euro) sowie Kosten für Energie- und Wasserverbrauch und Reinigung gehören. Auch die Hebegebühren der Finanzämter für den Einzug der Kirchensteuer in Höhe von 10,4 Mio. Euro sind hier enthalten. Hinzu kommen Abschreibungen, IT-Kosten, Mieten, Versicherungen etc.

Das Erzbistum Paderborn verzeichnete einen Jahresüberschuss von rund 91 Mio. Euro. Neben konjunkturbedingt steigenden Kirchensteuereinnahmen ist dies auf das besser als erwartete Ergebnis der Clearing-Abrechnung zwischen den Bistümern zurückzuführen. Aus dem Jahresüberschuss wurden per Saldo knapp 50 Mio. Euro den Rücklagen zugeführt.

Der verbleibende Bilanzgewinn von rund 41 Mio. Euro schafft Handlungsspielräume für eine Stärkung der kirchlichen Arbeit. Der Kirchensteuerrat hat bereits beschlossen, das Ergebnis in diesem Sinne zu verwenden. 20 Mio. Euro fließen in den Kita-Sonderfonds zur Steigerung der Betreuungsqualität und in die Sicherung der Existenz bei unzureichender staatlicher Finanzierung. Weitere 14,5 Mio. Euro erhalten die Kirchengemeinden als Sonderzuschläge zusätzlich zu den laufenden Zuweisungen. Schließlich stockt das Erzbistum den Caritas-Notfallfonds um 3,5 Mio. Euro auf.

Bistumskapital und Rücklagen für Sicherheit und Nachhaltigkeit

Das Erzbistum Paderborn verfügt über ein Vermögen von insgesamt rund 4 Mrd. Euro (Bilanzsumme). Es setzt sich zusammen aus rund 279 Mio. Euro Sachanlagen – im Wesentlichen Immobilien – und etwa 3,6 Mrd. Euro Finanzanlagen. Hinzu kommt das Umlaufvermögen in Höhe von rund 126 Mio. Euro. Es deckt vor allem den Liquiditätsbedarf für die laufenden Ausgaben.

Etwa 85 Prozent der Bilanzsumme, rund 3,4 Mrd. Euro, sind Eigenkapital. Davon bilden rund 781 Mio. Euro das Bistumskapital – das Eigenkapital im engeren Sinne. Es dient insbesondere zur Sicherstellung der Aufgabenerfüllung des Erzbistums und als Reserve für langfristige Verpflichtungen und Risiken.

Der weitaus größte Teil des Eigenkapitals entfällt auf zweckgebundene Rücklagen. Rund 1,4 Mrd. Euro werden zur Erhaltung der Gebäude aller Einrichtungen im gesamten Erzbistum sowie zur Finanzierung umfangreicher Projekte, als Rücklage für soziale Einrichtungen sowie für den Caritas-Notfallfonds benötigt. Mit diesen Rücklagen hat das Erzbistum Vorsorge für kritische Situationen von Trägern sozialer Einrichtungen getroffen. Zwar müssen auch diese grundsätzlich wirtschaftlich tragfähig sein, um dauerhaft existieren zu können. Gleichwohl steht das Erzbistum für eine langfristig orientierte, seelsorgerisch und sozial ausgerichtete Grundhaltung.

Zur Ausfinanzierung der Altersversorgungsverpflichtungen des Erzbistums wurden Rücklagen in Höhe von 462 Mio. Euro gebildet. 726 Mio. Euro dienen als Ausgleichsrücklage für die Absicherung gegen langfristige Ergebnisschwankungen, insbesondere mit Blick auf zu erwartende rückläufige Kirchensteuererträge.

Kirche ist kein Wirtschaftsunternehmen. Außer geringfügigen Teilnehmerbeiträgen für Veranstaltungen erzielt das Erzbistum Paderborn

keine operativen Erträge. Deshalb ist die hohe Eigenkapitaldeckung wichtig. Es ist erklärtes Ziel der Finanzpolitik des Erzbistums, auf Bankverbindlichkeiten weitestgehend zu verzichten, um Finanzierungkosten zu vermeiden und die Kirchensteuereinnahmen direkt der kirchlichen Arbeit zukommen zu lassen.

Der größte Teil des Eigenkapitals sind zweckgebundene Rücklagen.

Die Verpflichtungen des Erzbistums bestehen zum überwiegenden Teil aus den Pensionsrückstellungen. Die bilanzrechtlich zulässige Höhe dieser Rückstellungen reicht angesichts der tatsächlich erzielbaren Kapitalverzinsung nicht aus, um die bestehenden Versorgungsverpflichtungen zu erfüllen. Deshalb hat das Erzbistum ergänzende Rücklagen gebildet, die formal zum Eigenkapital zählen. Durch Pensionsrückstellungen und -rücklagen zusammen sind die Versorgungsverpflichtungen aus heutiger Sicht ausfinanziert.

Die hohe Eigenkapitalquote sichert die Unabhängigkeit und Handlungsfähigkeit des Erzbistums. Der verantwortungsbewusste Umgang mit den finanziellen Mitteln ermöglicht die Umsetzung vieler seelsorgerischer und caritativer Aufgaben und dient der Verwirklichung des Zukunftsbildes.

Insgesamt verfügt das Erzbistum Paderborn über eine stabile finanzielle Basis und kann aus den laufenden Erträgen seine vielfältigen Aufgaben erfüllen. Das verfügbare Vermögen ermöglicht eine nachhaltige Arbeit und eine langfristige Deckung der Verpflichtungen.