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Schule

Der gesellschaftliche Wandel führt dazu, dass Schulen heute zunehmend Aufgaben erfüllen, die zuvor das Elternhaus übernommen hat. Die katholischen Schulen des Erzbistums Paderborn nehmen diese Herausforderung an und greifen sensibel und flexibel die Veränderungen des sozialen Umfelds auf.

Die katholische Schulen des Erzbistums Paderborn Ganzheitliche Bildung ist
mehr als Unterricht

Der gesellschaftliche Wandel führt dazu, dass Schulen heute zunehmend Aufgaben erfüllen, die zuvor das Elternhaus übernommen hat. Die katholischen Schulen des Erzbistums Paderborn nehmen diese Herausforderung an und greifen sensibel und flexibel die Veränderungen des sozialen Umfelds auf.

Seit jeher zielt Bildung im Verständnis der Kirche nicht nur auf die Vermittlung von Wissen, sondern auf die Entwicklung der Persönlichkeit auf der Basis der christlichen Werte. Bildung ist mehr als der Erwerb von sprachlichen, mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen. Ganzheitliche Bildung ist ohne Erziehung nicht denkbar.

Diesem ganzheitlichen Ansatz sind auch die Realschulen, Gymnasien und Berufskollegs in der Trägerschaft des Erzbistums verpflichtet. Als katholische Schulen verstehen sie sich als Ort der Kirche, beziehen Position und zeigen eine klare Prägung im Sinne des Glaubens. In unserer pluralistischen Gesellschaft verstehen sich die katholischen Schulen als Angebot mit besonderem Profil. Mit den von ihm getragenen und verwalteten Schulen steht das Erzbistum nicht nur im Dienst seiner Kirche, sondern vielmehr im Dienst der gesamten Gesellschaft.

Schulen mit klarem Profil

Dass an dem klaren Profil Bedarf besteht, zeigt das Interesse am Bildungsangebot der Kirche. Von der schwindenden Bindungswirkung der Kirche ist an den katholischen Schulen des Erzbistums Paderborn wenig zu spüren. Sie erleben seit Jahren einen unvermindert großen Zulauf – auch von Mitgliedern anderer christlicher Konfessionen, Angehörigen anderer Religionen und Menschen ohne religiöse Bindung. Die Nachfrage ist so groß, dass nicht alle Aufnahmewünsche erfüllt werden können. Dieses Interesse ist ein Beleg dafür, dass viele Eltern auf der Suche nach einem besonderen pädagogischen Milieu sind, in dem sie die Erziehung und Bildung ihrer Kinder gut aufgehoben wissen.

Das Konzept der katholischen Schulen des Erzbistums Paderborn folgt drei Prinzipien: Der personale Erziehungs- und Bildungsbegriff orientiert sich an der von Gott geschenkten Würde der Schülerinnen und Schüler. Hinzu kommen die wechselseitige Durchdringung von Glaube, Kultur und Leben sowie das Verständnis der Schule als eine Erziehungsgemeinschaft von allen am Schulleben Beteiligten – Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonal und Eltern. Die Schulen greifen die Herausforderungen unserer Gesellschaft produktiv auf und machen dabei eine Entscheidung für den christlichen Glauben möglich.

Die Menge des Wissens wächst immer schneller und mit ihr die Menge der damit verbundenen Fragen. Umso wichtiger wird es, dass die Schule Angebote macht und Anleitungen einübt, wie das Wissen, das man lernt, begründet wird und wie es geordnet ist. Das verlangt Profil. Denn je profilierter und zugleich offener eine Schule für Fragen ist, umso überzeugender kann sie ihren Bildungsauftrag wahrnehmen. Die katholischen Schulen beziehen darüber hinaus Stellung, wo andere beim Fragen stehen bleiben. Sie geben Antworten, die sich andere versagen müssen.

19 Schulen,
1.000 Lehrende,
12.000 Schülerinnen und Schüler

Im Erzbistum Paderborn gibt es insgesamt 45 katholische Schulen in freier Trägerschaft: 18 Gymnasien, 9 Realschulen, 8 Berufskollegs und 10 Förderschulen. Als Träger fungieren neben dem Erzbistum auch andere kirchliche Körperschaften: kirchliche Stiftungen privaten Rechts, caritative Einrichtungen und Ordensgemeinschaften. Aufgrund des Mangels an Ordenslehrkräften ist die Zahl der von Orden getragenen Schulen rückläufig. Viele dieser Schulen wurden vom Erzbistum übernommen. Als Träger und Verwalter betreibt das Erzbistum Paderborn derzeit 19 katholische Schulen an 11 Standorten. Als sogenannte Ersatzschulen unterliegen auch die vom Erzbistum getragenen katholischen Schulen der staatlichen Aufsicht und haben alle Anforderungen zu erfüllen, die für staatliche Schulen im Prüfungs- und Berechtigungswesen gelten. Die Schulen des Erzbistums nehmen wie die kirchlichen Schulen der Nachbardiözesen an der Qualitätsanalyse NRW teil, die in Kooperation mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung durchgeführt wird. Als öffentliche Schulen haben sie sich auch denselben Herausforderungen und Konflikten zu stellen, die unsere Gesellschaft kennzeichnen.

Katholische Schulen in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn

BerufskollegsRealschulenGymnasien
Berufskolleg Brede, BrakelSt.-Ursula-Realschule, AttendornMariengymnasium, Arnsberg
St.-Franziskus-Berufskolleg, HammRealschule Brede, BrakelSt-Ursula-Gymnasium, Arnsberg-Neheim
Edith-Stein-Berufskolleg, PaderbornMarienschule, BrilonSt.-Ursula-Gymnasium, Attendorn
Marienschule, HammGymnasium Brede, Brakel
St-Walburga-Realschule, MeschedeMallinckrodt-Gymnasium, Dortmund
Realschule St. Michael, PaderbornGymnasium St. Xaver, Bad Driburg
Ursulinenrealschule, WerlGymnasium St. Michael, Paderborn
Ursulinengymnasium, Werl
Hildegardis-Gymnasium, Hagen

Menschen und Gemeinschaft prägen das Profil

Das klare Profil der Schulen des Erzbistums gründet auf einer Reihe von Faktoren, die verschiedene Bereiche umfassen und gleichwohl im Kommunikationsfeld Schule ineinandergreifen. Dazu gehören in erster Linie die Lehrerinnen und Lehrer. Werte verlangen Glaubwürdigkeit durch gelebte Überzeugungen, wenn sie erfolgreich vermittelt werden sollen. Die Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen des Erzbistums tragen das katholische Profil aus persönlicher Überzeugung mit und engagieren sich über den Unterricht hinaus. Ihr Dienst endet nicht, wenn die Schulklingel läutet. Das Erzbistum Paderborn legt Wert darauf, dass die Kollegien jeder Schule individuell nach dem jeweiligen Bedarf zusammengestellt werden. Durch Fortbildungsmaßnahmen und weitere Angebote werden die Lehrerinnen und Lehrer zudem dazu befähigt, die christlich geprägte Schulgemeinschaft aktiv mitzugestalten. Die Schulseelsorge trägt mit einer eigens eingerichteten Schüler- und Lehrerpastoral dazu bei, dass die Schule zu einem katholischen Lebensraum jenseits der Wissensvermittlung wird. Das umfasst Coachings und Supervisionen ebenso wie die Verknüpfung mit kirchlicher Sozialarbeit und die Kooperation mit außerschulischen Partnern. Schule als lebendiger Lebensraum braucht ein angemessenes Umfeld. Die Ausstattung und die Gestaltung der Gebäude kommen, etwa durch die Einrichtung von Mensen, den Anforderungen des modernen Unterrichtsbetriebs nach. In schönem Ambiente macht nicht nur das Lernen mehr Spaß, die Schülerinnen und Schüler fühlen sich auch für das Gesamtbild mitverantwortlich.

Die katholischen Schulen des Erzbistums Paderborn verstehen sich als Gemeinschaftswerk. An der Vergewisserung des Profils, dessen Weiterentwicklung und der Erarbeitung neuer Konzepte sind neben der Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat und den Schulleiterinnen und Schulleitern gleichermaßen die Lehrerinnen und Lehrer, die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern beteiligt. Im Schulbeirat erarbeiten diese Gruppen konkrete Vorschläge und empfehlen sie dem Erzbischöflichen Generalvikariat zur Umsetzung.

Leitbild setzt sieben Akzente

Was „das Katholische“ der erzbischöflichen Schulen ausmacht, ist im „Leitbild der katholischen Schulen in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn“ festgeschrieben. Es legt die Kriterien für die konkreten Schulprogramme fest, gibt Hilfen für deren Umsetzung und bildet die Basis für die immer neue Vergewisserung im Schulleben. Das Leitbild ist im Internet unter www.schuleunderziehung.de zum Download verfügbar.

Mit dem jährlich stattfindenden Wettbewerb „SynErgeia“ gibt das Erzbistum zusätzliche Impulse, um das Leitbild nachhaltig im Schulalltag zu verankern. Der Name ist Programm: „SynErgeia“ steht für Zusammenarbeit. Neben den Schülerinnen und Schülern werden auch Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern angesprochen, um als Bildungsgemeinschaft in innovativen Projekten das Leitbild im Schulalltag umzusetzen. Auf diesen Seiten sind einige aktuelle Beispiele dokumentiert. Über weitere Projekte des Kreativpreises „SynErgeia“ informiert der Bereich „Katholische Schulen“ auf der Website www.schuleunderziehung.de.

„Who the hell is Jesus?“

Die Hildegardis-Schule in Hagen hat zur Passionszeit gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern benachbarter Hauptschulen ein Theaterstück der besonderen Art auf die Bühne gebracht. Die Textvorlage haben ein Schauspieler und Regisseur des Stadttheaters und der Schulseelsorger gemeinsam entwickelt und dabei die Schüler intensiv beteiligt. Die Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern muslimischen Glaubens und ohne Konfession machte das Projekt umso spannender. Über religiöse und nationale Grenzen hinweg gelang eine Auseinandersetzung mit Jesus und seinem Anspruch. Die Frage, was Jesus heute für uns bedeutet, führte zu Gedanken über Lebenssinn, Leid und Glück in der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen, die sie ebenso eindrucksvoll auf die Bühne brachten. In zwölf Stationen wurden collagenartig Bibelstellen kritisch auf ihre Gültigkeit im Hier und Jetzt erprobt.

Förderklasse für Flüchtlingskinder

Bildung erleichtert Integration und eröffnet gleichzeitig Perspektiven in der neuen Heimat. Deshalb hat die Hildegardis-Schule in Hagen eine Förderklasse für Flüchtlingskinder eingerichtet. Seit April 2015 erhalten hier bis zu 20 Kinder und Jugendliche eine persönliche Förderung ihrer Eingliederung. Unter Berücksichtigung von bisheriger Schulbiografie und individuellem Lerntempo sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in das Regelschulsystem überführt werden. Auf dem Stundenplan stehen vor allem Deutsch, Landeskunde und Englisch. Das Erzbistum Paderborn hat für die Förderklasse eine geeignete Lehrkraft eingestellt, die gemeinsam mit dem Schulseelsorger die Teilnehmer betreut.

„Vergiss mein nicht!“

Im Rahmen ihrer Unterrichtsreihe „Miteinander leben – Menschen mit besonderen Problemen“ gaben sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6d der St.-Ursula-Realschule in Attendorn nicht mit dem Unterricht im Klassenzimmer zufrieden. Um Einstellungen und Werte als Orientierunghilfe für das eigene Leben zu vermitteln, suchten sie das Leben in ihrer Umgebung auf – und leisteten dort ihren Beitrag. Unter dem Titel „Vergiss mein nicht!“ befasste sich das Projekt mit Demenz. In einem Attendorner Caritas-Wohnheim für Demenzkranke verbrachten die Schülerinnen und Schüler einen ganzen Nachmittag mit den Bewohnern, sangen, spielten mit ihnen und lasen ihnen vor. Ihre Eindrücke vom Besuch hielten die Schülerinnen und Schüler in Collagen, Plakaten und einer Reflexionsbox fest.

Synergien in der Inklusion

Gemeinsam mit der Schule Haus Widey, einer vom Sozialdienst katholischer Frauen getragenen Förderschule für sozial-emotionales Lernen, haben Schülerinnen und Schüler des Edith-Stein-Berufskollegs in Paderborn einen Sportparcours entwickelt, der besondere (körperliche) Voraussetzungen und Bedürfnisse berücksichtigt. Das Projekt ist Teil einer Themenreihe, in der sich die angehenden Erzieherinnen und Erzieher auf praktischem Wege mit der Teilhabe von Benachteiligten unserer Gesellschaft auseinandersetzen. Die Entwicklung und Anwendung des Parcours erreichten zwei Ziele. Den angehenden Erzieherinnen und Erziehern halfen sie bei der Reflexion ihrer beruflichen Kompetenzentwicklung. Den Schülerinnen und Schülern der Schule Haus Widey dient der Parcours als Instrument bei der Entwicklung und Stabilisierung der Persönlichkeit.

Erzbistum wendet jährlich 13 Mio. Euro für Schulen auf

Der Betrieb und die Weiterentwicklung der katholischen Schulen erfordern einen hohen Finanzbedarf. Neben dem Eigenanteil an den refinanzierbaren Kosten erfordert der Schulbetrieb regelmäßige Investitionen. Für die katholischen Schulen in kirchlicher Trägerschaft wendet das Erzbistum Paderborn aus eigenen Mitteln jährlich etwa 13 Mio. Euro auf.

Neben den Personalkosten für Besoldung und Vergütung sowie für Beihilfe, Versorgung und Personalnebenkosten fallen Sachkosten für Verwaltung, Bewirtschaftung sowie für die Unterhaltung von Gebäuden und Einrichtungen an. Hinzu kommen Kosten für Schülerbeförderung, Lernmittel und Lehrerfortbildung. Trotz der Zuschüsse des Staates leistet das Erzbistum Paderborn einen hohen Finanzierungsbeitrag. Zusammen mit den erheblichen Investitionen zum Ausbau und zur Weiterentwicklung seiner Bildungseinrichtungen bildet der Betrieb der katholischen Schulen einen umfangreichen Posten im Haushalt des Erzbistums.

Gemäß dem Schulgesetz von Nordrhein-Westfalen trägt der freie Schulträger einer Ersatzschule 15 Prozent der Personal- und Sachkosten. Die Aufwendungen für die Schülerbeförderung, die Lernmittel und die Lehrerfortbildung übernimmt vollständig das Land.

Die Berechnung des Eigenanteils bezieht sich ausschließlich auf die sogenannten refinanzierbaren Personal- und Sachkosten. Darüber hinaus trägt das Erzbistum Paderborn noch erhebliche Aufwendungen, für die es keine Zuschüsse erhält. Dazu zählen unter anderem die Kosten für die Schulsozialarbeit und für die Qualitätsanalyse, die über den Unterricht im engeren Sinne hinausweisen, die jedoch die Qualität und das besondere Profil der katholischen Schulen gewährleisten.

Der Aufwand für die Bereitstellung von Schulgebäuden und Inventar ist hoch. Für Instandhaltung und Modernisierung hat das Erzbistum Paderborn Rücklagen gebildet. In den vergangenen 20 Jahren hat das Erzbistum Paderborn allein in seine Schulgebäude fast 68 Mio. Euro investiert. Das entspricht einem durchschnittlichen Investitionsvolumen von rund 3,4 Mio. Euro jährlich. Für entsprechende Maßnahmen in den kommenden fünf Jahren sind im Haushalt des Erzbistums rund 51 Mio. Euro vorgesehen.